
Waidring feierte 1997 sein 850-jähriges Jubiläum.
1147 wurde Waidring als „Waitheringen“ erstmals
urkundlich erwähnt.
Als im erdgeschichtlichen
Mittelalter vor Jahrmillionen das Weltmeer „Tethys“ unsere
Gegend bedeckte, bildeten sich Zeugen, die wir heute noch
kennen - die Versteinerungen von Muscheln und Schnecken im
Dolomitkalk der Steinplatte. Nach Einsetzen der Gebirgsbildung
durch Falten und Aufschieben von Gesteinsschichten, war es
die Eiszeit, die vor ca. 600.000 Jahren unsere Täler
und niedrigen Gebirge formte. Der mächtige Eisstrom
unseres Tales reichte bis auf 1.600 Meter Seehöhe und
endete im Alpenvorland. Nach dem Zurückweichen der Gletscher
blieben die ausgetrockneten Kalkgebirge und sumpfige, wenig
fruchtbare Talböden zurück - dies war mit ein Grund
für die späte Besiedlung unserer Gegend.
Der Ortsname „Waidring“ mit der typischen Endsilbe „ing“ weist
auf eine bajuwarische Besiedlung im 9./10. Jahrhundert hin.
Vermutlich schon in früherer Zeit führte von Innsbruck
aus über den Pass Strub nach Salzburg eine Altstraße,
an der wahrscheinlich bereits im 6./7. Jahrhundert der Ort
Waidring entstanden ist.
Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort als „Waitheringin“ um
1147, als der Klostervogt Graf Gebohard von Burghausen seinen
Salinenanteil in Reichenhall einschließlich der Wälder
von Waidring dem Edlen Meinhard Ibm übergibt (siehe
Faksimile, Seite 2, „sexta pars nemoris ad Waitheringin“ = „der
sechste Teil der Waldungen von Waidring“). Der Name „Waitheringen“ geht
auf das hochfreie Geschlecht der Waitheringen zurück,
eine adelige Sippe, die in unserem Gebiet mehrere Besitzungen
innehatte. Pilgrim von Waitheringen, vermutlich bald nach
1140 verstorben, vererbte das Dorf an seinen Schwiegersohn
Otto von Walchen. Die Besitzungen der Walchen oder Walhen
reichten vom Pinzgau bis in der Zillertal und an den Chiemsee.
Durch ständige Nutzbarmachung des Talbodens infolge
von Rodungs- und Entwässerungsarbeiten war ein Siedlungsgebiet
entstanden, das durch mehr oder weniger zusammenhängende
Einzel(Ur)höfe geprägt war; dass es sich hier um
Feuchtgebiete handelte, zeigen Hofnamen wie „Münzer“, „Haider“ oder „Fischer“.
1297 - vor 700 Jahren - kamen die Waidringer Besitzungen
des Otto von Walchen an das Domkapitel und das Kloster St.
Peter in Salzburg (von den Walchen stammt auch das Gemeindewappen
her). Diese grundherrlichen Güter waren sogenannte Beutellehen,
die vom Erzstift an die Bauern verliehen wurden. Dieser Zustand
dauerte bis 1803 - in diesem Jahr wurde das Erzstift säkularisiert.
Bis in dieses Jahr 1803 gehörte das Dorf bezüglich
Steuerhoheit und Gerichtsbarkeit zu Salzburg, während
es politisch schon seit 1504 Teil Tirols war. Das Urbar Waidring
war ein geschlossener Steuerkörper und bestand aus den „Werchaten“ Innerwald
und Dorf. Dieses Urbarmarch wurde 1512 zu Passau aufgerichtet,
die Einteilung blieb im wesentlichen bis 1850 erhalten. Von
einer Gemeinde im heutigen Sinn kann man erst seit 1849 sprechen,
als das „Provisorische Gemeindegesetz“ vom 17.
März 1849 erlassen wurde.
Kirchlich gehörte der Ort von 1215 bis 1807 zur Diözese
Chiemsee, davor (seit 739) und ab 1817 war er - wie heute
- Teil der Erzdiözese Salzburg. Waidring war Teil der
Pfarre Kirchdorf, seit 1381 war eine Filialkirche nachweisbar,
1485 erhielt der Ort einen Kaplan. In den Jahren 1480 bis
1504 wurde die dem Hl. Vitus und Nikolaus geweihte Kirche
neu errichtet, 1757 wurde mit dem barocken Neubau von Cassian
Singer begonnen. Vollendet wurde die Kirche unter Andre Hueber
im Jahr 1760.
Von großer Wichtigkeit für die Besiedlung unseres
Ortes waren die Verkehrsverbindungen. Die alte Salzstraße über
den Pass Strub, die Saumwege nach Pillersee und über
die Steinplatte nach Bayern bildeten wichtige Verkehrsadern
nach Ost und West, Nord und Süd. Die heutige Dorfstraße
mit der damaligen „Wastlhöhe“ war mit 800
Metern Seehöhe schließlich der höchste Punkt
des Postweges zwischen Innsbruck und Wien.
Bereits im Jahr 1416 wird eine „Tafern zu Waidring“ genannt.
Dieses Wirtshaus - der heutige Gasthof Post - unter Besitzer
Peter Sachs diente in erster Linie als Rast- und Absteigegelegenheit
für Fuhrleute. Auch W. A. Mozart hielt Rast im Gasthof
auf seiner Reise von Salzburg nach Mailand, ebenso Kaiser
Franz Josef (im sog. „Kaiserzimmer“). Die bisher älteste
aufgefundene bildliche Darstellung des Ortes, wahrscheinlich
um 1850 entstanden, zeigt den Ortskern, wobei der Gasthof
Post noch mit einem Satteldach bedeckt war. Nach einem Brand
1889 wurde ein Stockwerk aufgesetzt und das heute typische
Walbendach errichtet. Dieser Brand war auch Beweggrund für
die Gründung der Feuerwehr im Jahr 1891.
Die Geschichte des Waidringer Tourismus mit der Gründung
des ersten Gästeverbandes kann wohl in die 90er-Jahre
des vorigen Jahrhunderts datiert werden. 1911 wurde das erste,
vielbestaunte, Frei-Schwimmbad (am heutigen Standort) errichtet,
bereits 1927 ist ein erster Tennisplatz belegbar. Der Ort
etablierte sich mit der Sommerfrische als ausgewiesener Luftkurort.
Text: Klaus Kogler
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